Bewegung motiviert – dynamisches Sprachtraining

Wir sitzen alle viel zu viel – und diesen ungünstigen Trend hat Corona noch verstärkt, findet Lukas Mayrhofer, langjähriger Fortbildner und Autor des Hueber Verlags. Damit das nicht so bleibt, präsentiert Mayrhofer Ideen, die mehr Bewegung in den Unterricht bringen. Das Gute dabei: Die meisten funktionieren sowohl im Online- als auch im Präsenzunterricht. Ein paar Kostproben:

Plätze tauschen

Platzwechsel ist eine praktische Bewegungsübung, mit der rezeptiv Wortschatz trainiert werden kann. Die Basis bildet ein Vorlesetext, aus dem Lehrende bestimmte zu lernende Wörter auf Karten schreiben. Jede Karte gibt es zweimal. Die Lernenden ziehen jeweils eine Karte und stellen sich im Kreis auf. Anschließend liest die Lehrkraft den Text vor.

Sobald das Wort vorkommt, das jeweils zwei der Teilnehmenden gezogen haben, tauschen beide die Plätze. Im Präsenzunterricht natürlich eine sehr dynamische Übung, weil man auch auf die Mimik der anderen achten muss, um zu erkennen, mit wem der Platzwechsel ansteht. Online adaptiert könnten die Teilnehmenden mit demselben Wort einfach gleichzeitig aufstehen. Die Wörter bekommen sie per Chat zugeteilt.

Gesten und Wörter verbinden

Es müssen nicht immer große körperliche Aktivitäten sein. Eine faszinierende Übung, um Wortschatz zu lernen und zu festigen, ist die Verbindung von Wörtern mit bestimmten Gesten. Der:Die Lehrende präsentiert neun unterschiedliche Wörter, die mit dem passenden Bild illustriert sind, also zum Beispiel das Wort Tür mit dem Bild einer Tür. Jedem Bild ordnet er:sie eine Geste zu. Im Idealfall entsteht durch die Geste eine Assoziation, beispielsweise kann für Tür die Geste des Türöffnens verwendet werden. Zunächst bleiben Bilder und Wörter sichtbar, der:die Lehrende spricht ein Wort vor und macht die entsprechende Bewegung dazu. Die Teilnehmenden wiederholen beides.

Anschließend macht die Lehrkraft die Geste vor, die Lernenden sagen das Wort dazu. Dann umgekehrt: Die Lehrkraft gibt das Wort vor, die Lernenden machen die entsprechende Bewegung. Jetzt werden Bilder und Wörter ausgeblendet und beide Schritte wiederholt. Die Teilnehmenden müssen sich also sowohl an das Wort als auch an die Geste dazu erinnern. Die Verbindung von beidem aktiviert das Gehirn und festigt so nachhaltig die Wortschatzrezeption und -produktion.

Grammatik mit Bewegung festigen

Auch Grammatik bleibt besser im Kopf, wenn Sie mit Bewegung verbunden wird. Ein Beispiel für eine Übung aus dem Hueber-Lehrwerk Menschen, die sich auch online gut durchführen lässt: Passt das Fragewort woher, gehen alle einen Schritt zurück. Etwa beim Satz Ich komme gerade vom Arzt. Bei wohin geht der Schritt nach vorne: Ich gehe zum Bahnhof. Alle setzen sich hin bei Sätzen, zu denen das Fragewort wo passt, wie: Die Katze liegt auf dem Sofa. Diese Übung lässt sich beliebig an andere grammatische Strukturen adaptieren.

Die Neurodidaktik zeigt, dass Bewegung nicht nur motiviert und aktiviert, sondern tatsächlich für eine bessere Verankerung des Gelernten im Gehirn sorgt. Es lohnt sich also, mehr Bewegung in den Unterricht zu bringen. Die kleinen Bewegungen bei Gestik oder Mimik stehen dabei den größeren Aktivitäten in nichts nach und funktionieren auch online super.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Webinar-Video – Neurobiologische Grundlagen des Lernens

Zur weiterführenden Information zum Thema Neurodidaktik finden Sie im Lehrwerkservice unseres DaF-Lehrwerks Menschen eine Webinar-Aufzeichnung:

Wie lerne ich? Wie lernen andere?
Was bedeutet das für Wissensvermittler?

Diesen und anderen Fragen geht Marion Grein in diesem Webinar nach.
Zur Nachlese für Lehrende auch in ihrem Buch zur Neurodidaktik.

 

 

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